Azaleenschnitt 
Schon bei Anlage eines japanischen Gartens muss die nachfolgende Pflege eingeplant werden, sonst verwandelt sich das noch junge Kunstwerk bald in einen wilden, unansehlichen Dschungel. Eine der wichtigsten Pflegearbeiten ist der Schnitt der Azaleen, auf japanisch Tamamono, wobei hier nicht die Art der Pflanze gemeint ist sondern die geschnittene Form, die dem oberen Drittel einer Kugel gleicht. In Japan bestehen die meisten Tamamono aus immergrünen Azaleen, es kommen jedoch auch Wacholder und andere Immergrüne zum Einsatz.
Das Scheren von Pflanzen wird seit langem auch außerhalb Japans praktiziert, die Form des Tamamono ist jedoch geradezu charakteristisch für die japanische Planzenscherkunst.
Die Kunstliegt darin, "richtig" zu scheren. Wird zu oft geschoren ist das Ergebnis meist eine Ansammlung von kleinen Strauchbällen die deplaziert im Garten wirken. Mit der richtigen Planung und Vorbereitung kann dieser Effekt vermieden werden.
Ein harmonisches Bild ergibt sich durch die gleiche Formgebung aller Tamamonos. Sie dienen der einen Rolle: der Harmonisierung der Steinsetzungen, oder sogar einen Ersatz für Steinsetzungen. Die Art des Scherens ist ebenfalls wichtig. Elektrische- oder benzingetriebene Scheren haben zwei große Nachteile. Erstens tendieren sie dazu, die Enden der Azaleen eher "abzukauen" als zu schneiden, was zu ernsten Gesundheitsproblemen der Pflanzen mit hässlichen Löchern führen kann. Zweitens ermöglichen sie nicht die benötigte Präzision einer sauber geschnittenen Linie. Deshalb werden extrem scharfe Handscheren benutzt.
Die Azaleen sollten mehrmals im Jahr geschoren werden. Der "massivste" Schnitt erfolgt nach dem Blühen der Pflanzen im Frühling. Alle weiteren Schnitte sind Korrekturen ohne jegliche Reduktion der Grundmasse der Azalee.Es gibt keine exakten Zeitpunkte und Anzahlen für diese Korrekturschnitte, dies sollte je nach Wachstum der Pflanzen erfolgen. Zu beachten ist, das die großen Azaleen in japanischen Gärten in den seltensten Fällen aus nur einer einzigen Pflanze bestehen, meist sind sie eine Komposition von 2 bis 7 Einzelpflanzen.
Beim Schneiden sollte die Basis zuerst geschnitten werden. Hierbei wird von links nach rechts herum um die Pflanze gearbeitet. Die Schere wird so gehalten dass die Biegung der Klingen nach unten zeigt. Im oberen Drittel der Pflanze wird die Schere umgedreht. Das primäre Scheren der Basis betont die Idealform des Tamamono. Wird die Technik so ausgeführt, fliegen die Schnippsel der Pflanze nach rechts und somit weg vom Tamamono, da die linke Klinge der meisten Scheren über der rechten liegt. Dies führt zu einer enormen Arbeitserleichterung beim Aufräumen des Schnittguts.
Die exakte Ausführung dieser Schnitttechnik führt zu einem hervorragendem und sauberen Erscheinungsbild des japanischen Gartens. Der Erfolg beginnt bei der Planung und endet in der sauberen Technik.
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